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| Eintreffen von Frau Dr. Fritz bei Lugiano, Foto: G. Tonagel |
Problemursachen lokalisiere sie mit dem kinesiologischen Muskeltest. Der Muskeltest stelle eine Möglichkeit dar, mit dem Unterbewusstsein des Patienten zu kommunizieren und dadurch zu einer von der subjektiven Wahrnehmung unabhängigen Einschätzung zu kommen.
Ich bin skeptisch, aber auch sehr gespannt und wir vereinbaren kurzfristig einen Termin bei Lugiano.
Vort Ort schaut sich die Therapeutin als erstes Lugiano`s Barhufe an und braucht nicht lange, um ihr Urteil abzugeben: "Das wundert mich nicht, dass der stolpert. Die Zehenachse muss korrigiert und die Trachten nach hinten versetzt werden. Fessel und Huf sollten gleichgewinkelt sein, bei Lugiano sieht man deutlich, dass in dieser sogenannten Zehenachse ein Bruch ist – der Huf ist flacher als die Fessel. Insgesamt sollte er steiler gestellt werden, der Winkel von Schulter und Fessel müssen gleich sein. Und die Zehen sind zu lang! Das ist, als würden Sie mit zu großen Schuhen laufen." Das leuchtet mir ein. Verwundert wende ich ein, dass Lugiano doch pünktlich alle sechs Wochen beim Hufschmied sei. "Den würde ich wechseln, denn Schmiede sind oft auf beschlagene Pferde spezialisiert und kennen die Probleme der Barhufpferde nicht", rät sie mir, "Suchen Sie sich lieber einen Barhufpfleger, oder einen Schmied, der auf Barhufe spezialisiert ist." Ok. denke ich, das werden wir ändern.
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| Inspektion der Zähne, Foto: G. Tonagel |
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| Sattelcheck, Foto: G. Tonagel |
Anschließend inspiziert Frau Fritz die Zähne an: "Die Backenzähne sind zu lang, er hat Spitzen an den Zähnen und Zahnstein. Anlehnungsprobleme und sogar Rückenverspannungen können daraus resultieren. Ich empfehle die Behandlung durch einen Pferdezahnarzt.“
Als nächstes untersucht Frau Fritz die Ausrüstung an und beginnt mit dem Sattel. Da mein Wintec Dressursattel gerade in Reparatur ist, habe ich einen Ledersattel aufliegen, den ich überlege zu kaufen. Doch wie gut, dass Frau Fritz ihn begutachtet. "Der ist überhaupt nicht gut für das Pferd. 90 % aller Sättel sind unpassend.“ klagt sie. „Dieser hier ist zu lang für das Pferd. Er muss dort enden, wo er auf die letzte Rippe des Rippenbogens trifft. Jetzt sitzen Sie zu weit hinten, ja schon fast auf der Lende. Vorne muss Polsterung raus, um der Schulter mehr Freiheit zu gewähren. Und die Sattelkammer ist zu groß, dadurch kippt der Sattel." Sie demonstriert das Kippen des Sattels und erklärt mir sehr anschaulich, wie eine passender Sattel aufliegen sollte. Dann ist die Trense dran und ich ahne schon, dass es auch hier einiges zu korrigieren gibt. "Der Nasenriemen ist viel zu eng. So eng verschnallt verursacht er einen ständigen, unangenehmen Druck." Ich bekomme schon ein wirklich schlechtes Gewissen. Das es bereits das letzte Loch war, frage ich, ob ich eine neue Trense kaufen müsse. Sie verneint und entfernt kurzerhand den Nasenriemen. „Reiten Sie ihn einfach ohne Nasenriemen." (Anmerkung: Inzwischen bin ich Lugiano einige Male „ohne“ geritten und komme sehr gut damit zurecht. Lugiano sperrt sich nicht gegen das Gebiss. Im Gegenteil, ich habe eher das Gefühl, dass er es besser annimmt und zufriedener kaut.)
"Auch der Kehlriemen" weist sie mich weiter hin, "ist zu eng verschnallt. Und bitte achten Sie außerdem darauf, dass die Schnallen der Backenriemen nicht auf den Knochen liegen, sondern zwei Zentimeter darunter, sonst reibt und drückt die Schnalle auf das Kiefergelenk. Dann beisst das Pferd vor lauter Stress die Zähne zusammen und verspannt sich im Genick."
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| Einsatz der Farblichtlampe für energetischen Muskeltest, Foto: G. Tonagel |
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| Kontrolle der Hüftknochen, Foto: G. Tonagel |
Schließlich geht es auf den Reitplatz und Frau Fritz bittet mich, Lugiano im Schritt und Trab vorzuführen. "Seine Hüfte ist schief." erkennt sie. Wir stellen uns beide hinter das Pferd und ich sehe tatsächlich, dass der linke Hüftknochen tiefer liegt als der rechte.
Sie korrigiert seine Hüfte, indem sie mit leichtem Druck gegen seine rechte Hüfte drückt und ich im gleichen Moment an seiner linken Hüfte gegen halte. Ich bin skeptisch anhand des leichten Drucks, sehe dann aber am Resultat, dass beide Hüftknochen nun auf gleicher Höhe liegen. Ich staune.
“Sein linkes Iliosakralgelenk ist blockiert“, erklärt mir Frau Fritz, „bei Belastung des linken Hinterbeins fühlt es sich für Lugiano an, als hätte er einen Hexenschuss. Kein Wunder, dass er von hinten nicht schiebt, sondern auf der Vorhand läuft“. Während sie Lugiano mit sanften Handbewegungen und einer kleinen Farblichtlampe "bearbeitet", entspannt sich dieser sichtlich bis zur totalen Hingabe. So habe ich ihn noch nicht gesehen. Er kaut und leckt genüsslich, gähnt mehrmals sehr intensiv und schließt die Augen halb; wirkt fast weggetreten. Ich freue mich richtig für ihn und bin über diese so augenscheinliche Wirkung sehr begeistert.
Zum Schluss bekomme ich noch Trainingstipps, um Lugiano´s Hinterhand zu aktivieren. "Bögen reiten, Schulter herein, Zirkel verkleinern und vergrößern und dabei das Pferd stark stellen" rät sie mir. "Dadurch geht die innere Schulter zurück und die Hinterhand wird aktiviert." Ob ich ihn dabei durch wiederholende annehmende und nachgebende Paraden an die Zügel reiten solle, frage ich. Frau Fritz verneint. "Lassen Sie ihn vorne anfangs weitgehend in Ruhe. In den Bögen das Pferd stellen und dabei die Zügel annehmen, um sie dann wieder locker zu lassen. Er soll selbst lernen, sein Gleichgewicht zu finden und sich unter der Last des Reiters auszutarieren. Eine weitere gute Übung ist die Stangenarbeit. Legen Sie mehrere Stangen in unterschiedlichen Abständen und in unterschiedlicher Höhe, dann lassen Sie das Pferd in immer nur jeweils einem Schritt über treten, anhalten und dann den nächsten Schritt usw. gehen. Das Pferd muss überlegen, wann und wie es seine Beine bewegt. Diese Bewegungskoordination kostet viel Konzentration. Die Hinterhand wird dadurch im Kopf wieder aktiviert, da sie vorher fast abgeschaltet war.“
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| Augenscheinlicher Erfolg - Drei zufriedene Protagonisten, Foto: G. Tonagel |
Noch Tage später begrüßt mich Lugiano mit einem genüsslichen Kauen, als wollte er mir zeigen, wie gut ihm die Behandlung getan hat. Beim Training wirkt er zufriedener, schnaubt häufiger ab und stolpert tatsächlich weniger. Zwar ist aus meinem „Bewegungs-Ökonom“ noch kein begeisterter „Bewegungs-Fan“ geworden, aber ich bin gespannt, was sich noch in den nächsten Wochen tut, da er, laut Frau Fritz, noch eine Weile brauchen wird, bis sich die Muskeln auf die völlig neue Bewegung umgestellt haben.
Autorin: Mirjam Deponte
Kontakt zu Frau Dr. Christina Fritz
Sanoanimal
Praxis für integrierte Tiertherapie
Dr. Christina Fritz
Weitlingstr. 17, 10317 Berlin
+49 - 170 - 422 26 26
info@sanoanimal.de
www.sanoanimal.de






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